Was tun bei Heiserkeit

Frosch mit aufgerissenem Maul

Ausgerechnet jetzt, wo ein Konzert ansteht, oder eine Prüfung, ein wichtiger Vortrag, etc.
Gibt es nicht ein Medikament, das schnell und zuverlässig hilft, Heiserkeit für ein paar Stunden zu beseitigen?!
Warnung: Wer jetzt panisch nach Lösungen googelt wird rasch Werbeopfer der Pharmaindustrie. Das ein oder andere Mittelchen mag ja seine Existenzberechtigung darin finden, das Trockenheitsgefühl zu reduzieren und den Speichelfluss anzuregen.
Wie verlockend, sich speziell für die Stimme beworbene Lutschpastillen zu besorgen, die den Mund- und Rachenraum angeblich mit einen “schützenden Film” auskleiden.
Und doch: NICHTS ZAUBERT MAL EBEN SCHNELL DIE HEISERKEIT WEG!

Denn Heiserkeit befindet sich nicht im Mund- oder Rachenraum, sondern im Tiefgeschoss, dem Eingang zur Luftröhre.
Dort sitzen die Stimmlippen, die zum einen als Atemventil die Luftröhre öffnen und verschließen, und zum anderen durch Schwingung Klang erzeugen.
Ist die Schleimhaut auf den Stimmlippen geschwollen oder entzündet, versagt die Stimme. Dies kann sowohl krankheitsbedingt durch Viren und Bakterien, als auch durch falschen Stimmgebrauch passieren.
Werden die angegriffenen Schleimhäute durch weiteres Sprechen, Singen, Flüstern, Räuspern und Husten zusätzlich gereizt, können im schlimmsten Fall Stimmbandknötchen entstehen ;-(

Deshalb ist es entscheidend sofort zu reagieren, wenn erste Anzeichen einer Halsentzündung oder Stimmreizung wahrnehmbar sind. Das können wir tun:

Selbstheilung unterstützen und Belastung vermeiden

Schweigender Frosch mit geschlossenem Maul

1. Schweigen

Durch Schweigen kann sich die Schleimhaut auf den Stimmlippen am allerschnellsten erholen und wird nicht weiter belastet.
Achtung: Auch Flüstern reizt die Schleimhäute. Schweigen heißt weder Sprechen, noch Singen oder Flüstern. Also wirklich Klappe halten!

2. Husten und Räuspern auf ein Minimum reduzieren.

Husten ist nicht völlig vermeidbar. Es ist ein Reflex, um die Luftröhre vor eindringendem Schleim oder Fremdkörpern zu schützen. Außerdem kann Sekret von den Bronchien nach oben abgehustet werden. Doch durch den heftigen Ausatemstoß, der bis zu 1000 Km/h betragen kann, prallen die entzündeten Schleimhäute der Stimmlippen aufeinander, wodurch sie erneut belastet werden ;-(
Beobachten wir unser Verhalten aufmerksam, werden wir feststellen, dass wir oft unnötigerweise husten, und es genauso gut auch lassen könnten.
Das gilt gleichermaßen für das Räuspern, das -auch im Alltag- noch stärker kontrolliert werden sollte. Beim Räuspern reiben die Stimmlippen aneinander und die Schutzschicht der Schleimhäute wird gereizt. Kurzzeitig entsteht ein Trockenheitsgefühl. Umgehend produzieren die Zellen neuen, etwas dickflüssigeren Schleim, um die Schutzschicht wieder herzustellen. Dieser reizt erneut zum Räuspern… Problem erkannt?

Was können tun, wenn Husten und Räuspern sich nicht vermeiden lassen:
Wir können versuchen das Ganze sanfter und weicher auszuführen, sofern es sich nicht vermeiden lässt.
Wir können Husten durch lockeres abklopfen des oberen Brustkorbes beruhigen.
Statt zu räuspern sollten wir schlucken. Hierbei helfen z.B. Lutschbonbons, denn diese regen den Speichelfluss an, und wir schlucken öfter.

Schleimhäute brauchen Feuchtigkeit. Jeder hatte schon mal trockene Augen und kennt das Gefühl eines trockenen Rachens bei einer Erkältung.
Wird die Schutzschicht der Schleimhaut angegriffen, trocknet sie aus.
Deshalb sollten wir sie bestmöglich unterstützen. Also viel trinken. Am besten lauwarm.
Natürlich gelangt die aufgenommene Flüssigkeit nicht direkt zu den Stimmlippen, sondern wird durch Mund- und Rachenraum über den Kehldeckel in die Spreiseröhre geleitet und später indirekt wieder an die Schleimhäute abgegeben.

3. Feuchtigkeit

Um die Feuchtigkeit direkt zu den Stimmlippen zu bringen, können wir sehr wirkungsvoll ein Gesichtsdampfbad nehmen, also wie zu Großmutters Zeiten 10 Min. über einer Schüssel mit heißem Wasser inhalieren. Die im Wasserdampf befindlichen Tröpfchen werden direkt über die Atemwege aufgenommen und gelangen dort hin, wo die Stimmlippen sitzen: Zur Luftröhre.
Von ätherischen Ölen und Zusätzen wie Kamille wird heute abgeraten, da diese zu scharf sind und austrocknend wirken.
Des Weiteren empfehle ich die Anschaffung eine Hygrometers, um sich einen Überblick über die Luftfeuchtigkeit in der Raumluft zu verschaffen.
50 bis 60 % Luftfeuchtigkeit sind für die Schleimhäute optimal.
Gerade im Winter wird das selten erreicht. Ich hänge deshalb bei Bedarf ein feuchtes Handtuch auf die Heizung und habe einen Aroma Diffuser, um die Luftfeuchtigkeit zu erhöhen. Und natürlich lüfte ich regelmässig. Den Schimmelalarm also bitte wieder abstellen.
Um die Schleimhäute der Atemwege insgesamt zu unterstützen, halte ich eine Nasendusche für sehr sinnvoll. Seit über 30 Jahren benutze ich sie wegen meiner chronischen Sinusitis, und sie ist für mich unverzichtbar geworden.
Die Schleimhäute werden gespült, befeuchtet, und leichte Verstopfungen gelöst.
Man darf nicht vergessen, dass auch Sekret aus den oberen Atemwegen irgendwann nach unten gelangt, und zum Räuspern und Husten führen kann.
Deshalb sollten auch Allergiker besonders auf die Pflege ihrer gesamten Schleimhäute achten.
Es erschreckt mich, wenn ich darüber nachdenke, wie viele Stunden des Tages wir uns in Wohnräumen aufhalten…. Jeder weiß, wie gesund Spaziergänge an der frischen Luft sind. Doch außer Joggern, Mountainbikern und Hundebesitzern begegne ich äußerst selten Menschen im Wald. Wenn man nicht gerade mit einer Erkältung flach liegt, sollte man das mal beherzigen.

4. Reizfaktoren für die Schleimhäute vermeiden:

Rauchen, Alkohol, Allergieauslöser, Schmutzige Luft, Trockene Luft, Refluxauslösendes Essen & Trinken (Sodbrennen), Schimmel in der Raumluft, etc.

Fazit:

Wer Heiserkeit verstehen will, muss sich auch mit Schleimhaut beschäftigen.
Heiserkeit ist ein Signal des Körpers, dass unsere Stimmlippenbeschichtung angegriffen ist und Erholung braucht.
Ignorieren wir dies und versuchen “mit Gewalt” Töne zu produzieren, wird alles nur noch viel schlimmer!

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