Prof. Eugen Rabine (10.11.1940 – 01.11.2018)

Die Erinnerung an Herrn Rabine löst in mir tiefste Rührung und Dankbarkeit aus.
Er war nicht nur Urheber der Rabine-Methode (siehe rabine-institut.de), sondern auch ein äußerst charismatischer Mensch.
Der Gesangsunterricht und meine CRT Ausbildung bei ihm in der Zeit von 2000-2004 waren eine Offenbarung.
Schon in meinem Musikstudium hatte ich vergeblich nach einem Verständnis physiologischer Vorgänge bei der Stimmerzeugung gesucht.
Bei Prof. Rabine fand ich nicht nur fundierte, schlüssige Antworten, sondern auch eine bahnbrechende Unterrichts-Methode.

Prof. Rabine erkannte früh, dass das Instrument Stimme nicht durch Vor- und Nachmachen (imitierendes Lernen) oder starre Handlungsanweisungen vermittelt werden kann und entwickelte eine Stimmpädagogik, in der die Selbstwahrnehmung des Sängers im Vordergrund steht.

Durch gezielte Beobachtungsaufgaben entdeckt der Sänger nach und nach, wie er was tut. Er kann sich dafür entscheiden, Gewohnheiten durch ausbalancierte, effizientere Bewegungsabläufe zu ersetzen.
Dieser sensomotorische Lernprozess führt zu größerer Differenzierung, umfassender Kenntnis und präziser Steuerung des Instrumentes Stimme.

In Rabines Formulierungen spielte der Begriff Erlaubnis eine große Rolle.
Denn Leichtigkeit entsteht nicht, ohne gedankliche und muskuläre Festhaltungen loszulassen.
Neben der Erlaubnis Loslassen spielt aber auch die Aktivierung jener Muskelgruppen eine Rolle,
die durch ihre Passivität zuvor die Balance im Gesamtablauf behindert haben.
Nach der Rabine-Methode zu üben, wird mit einer gesunden, flexiblen und leistungsfähigen Stimmfunktion belohnt. Ein Körpergefühl, das äußerst stimulierend und beglückend ist.

Um so mehr stimmt es mich traurig, dass Prof. Rabine nicht die Anerkennung bekommen hat, die ihm gebührte. Er war seiner Zeit weit voraus, und leider geht der Trend heute in eine völlig andere Richtung: Schnell und oberflächlich. Das Ziel am liebsten ohne Weg. Verpackung wichtiger als Inhalt.
Nicht für ihn! Er war bescheiden und widmete den größten Teil seiner Lebenszeit der Entwicklung seiner Methode, mit der er uns, die sie erlernen durften, und die Menschen, die wir unterrichten, dankbar und glücklich macht.

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